Ein Kollege ruft mich im Februar an, drei Tage vor seinem Abflug nach Delhi: „Ich brauche noch dieses E-Arrival-Ding, oder?" Ich höre Papier rascheln, während er spricht. Er hat den Visumantrag seit Wochen in der Schublade, aber die Adresse seiner ersten Unterkunft hat er noch nicht rausgesucht. Genau dort scheitern die meisten. Nicht am Formular. Am Drumherum.
Wer die Einreise nach Indien plant, stolpert heute über ein System aus drei Bausteinen: Pass, Visum, E-Arrival Card. Jeder Baustein hat eigene Fristen, eigene Fallen. Und die Reihenfolge ist nicht beliebig.
Wichtige Erkenntnisse
- Ohne vorab beantragtes Visum geht bei der Einreise nach Indien nichts – ein Visum bei Ankunft existiert für deutsche Staatsangehörige nicht.
- Die E-Arrival Card ist kostenlos, aber frühestens drei Tage vor Ankunft einreichbar – den Ankunftstag mitgerechnet.
- Der Reisepass muss bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein und zwei freie Seiten haben.
- Das e-Tourist-Visum gibt es in mehreren Laufzeiten; die Gebühren staffeln sich nach Dauer und Antragszeitpunkt.
- Wer über Land einreist, braucht die E-Arrival Card genauso wie Fluggäste.
- Ehrlich gesagt: Die häufigste Fehlerquelle ist nicht das Formular, sondern ein Passfoto im falschen Format.
Einreise Indien: das brauchen Sie wirklich
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge: gültiger Reisepass, gültiges Visum, E-Arrival Card. Klingt banal. Ist es aber nicht.
Was braucht man zur Einreise in Indien?
Einen Reisepass, der bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig ist und mindestens zwei freie Seiten für Stempel bietet. Personalausweis reicht nicht, vorläufiger Reisepass wird in der Regel nicht akzeptiert. Dazu ein Visum, das Sie vor dem Abflug beantragt haben, sowie die E-Arrival Card. Ein Rück- oder Weiterflugticket sowie ein Nachweis der ersten Unterkunft werden bei der Kontrolle verlangt – nicht immer, aber oft genug, dass ich es niemandem empfehle, ohne dazustehen.
Zwei Dinge, die viele unterschätzen: Erstens prüft die indische Seite das Passfoto maschinell. Ein Selfie vom Handy mit Schatten im Gesicht fliegt raus. Zweitens muss der Name im Visumantrag zeichengenau dem Pass entsprechen – Bindestriche, Umlaute, alles. Ich habe mir einmal eine Woche Verzögerung eingehandelt, weil ich „Müller" mit „ue" eingetragen hatte, der Pass aber „ü" führt. Der Antrag wurde storniert, die Gebühr war weg.
Visum für Indien: der eigentliche Engpass
Deutsche Staatsangehörige brauchen ein Visum. Punkt. Es gibt kein Visa-on-Arrival, kein „wird schon". Wer ohne Visum am Check-in steht, fliegt nicht.
Wie beantrage ich ein ETA-Visum für Indien?
Über das offizielle Portal der indischen Regierung – indianvisaonline.gov.in. Dort füllen Sie das Online-Formular aus, laden Foto und Passkopie hoch, zahlen die Gebühr per Karte und erhalten anschließend eine Electronic Travel Authorization (ETA) per Mail. Diese ETA drucken Sie aus und führen sie mit. Das eigentliche Visum wird bei der Einreise in den Pass gestempelt.
Wichtig: Es gibt Dutzende kommerzielle Vermittler, die dasselbe Formular gegen Aufschlag ausfüllen. Manche sind seriös, viele überteuert. Ich habe beide Wege probiert. Beim ersten Mal über einen Vermittler: 40 Euro mehr, kein Unterschied im Ergebnis. Beim zweiten Mal selbst: 20 Minuten Arbeit, problemlos.
- Antragsfenster: in der Regel bis zu 120 Tage vor Reisebeginn
- Bearbeitungszeit: meist 3 bis 5 Werktage – rechnen Sie mit einer Woche Puffer
- Gültigkeit Tourist-Visum: 30 Tage, 1 Jahr oder 5 Jahre, je nach Variante
- Achtung: Bei manchen Varianten beginnt die Gültigkeit mit Ausstellung, nicht mit Einreise
Wie viel kostet ein e-Tourist-Visum für Indien?
Die Gebühr hängt von Laufzeit und Antragszeitpunkt ab. Die offiziellen Sätze liegen grob bei rund 25 US-Dollar für das 30-Tage-Visum, etwa 40 US-Dollar für das Ein-Jahres-Visum und 80 US-Dollar für die Fünfjahresvariante. Wer außerhalb der regulären Bearbeitungszeit einreicht, zahlt einen Aufschlag. Dazu kommen gegebenenfalls Wechselkurs- und Kreditkartengebühren. Insgesamt landen die meisten bei 30 bis 90 Euro – ein vergleichsweise günstiger Posten, wenn man bedenkt, was ein Visum für andere asiatische Länder kostet.
Hier eine grobe Orientierung, keine exakte Preisliste:
| Variante | Gültigkeit | Ungefähre Gebühr | Einreisen |
|---|---|---|---|
| Tourist 30 Tage | 30 Tage ab Einreise | ~25 USD | einfach |
| Tourist 1 Jahr | 12 Monate | ~40 USD | mehrfach |
| Tourist 5 Jahre | 60 Monate | ~80 USD | mehrfach |
| Business | je nach Variante | höher, separates Verfahren | mehrfach |
Die Beträge schwanken mit dem Dollarkurs und werden gelegentlich angepasst. Prüfen Sie den aktuellen Stand immer auf dem offiziellen Portal, bevor Sie zahlen.
E-Arrival Card: die Frist, die alle unterschätzen
Der Flieger landet um 3:40 Uhr nachts in Mumbai. Ich hatte die E-Arrival Card zwei Wochen vorher ausfüllen wollen – geht nicht. Das System öffnet erst kurz vorher.
Wann muss man die E-Arrival Card für Indien ausfüllen?
Frühestens drei Tage vor der Ankunft – den Ankunftstag mitgerechnet. Wer am Samstag landet, kann sie ab Mittwoch ausfüllen. Sie ist kostenlos und wird über das offizielle Einreiseportal der indischen Regierung eingereicht. Sie erhalten eine Bestätigung als PDF, die Sie ausdrucken oder auf dem Handy zeigen. Die Angaben müssen zum Visum passen, insbesondere Passnummer und Einreisehafen.
Und der Klassiker: Die E-Arrival Card ist kein Ersatz für das Visum. Sie ist ein zusätzliches Formular, das Ihre Einreise ankündigt. Wer sie mit dem Visum verwechselt, steht am Schalter und darf umkehren. Ich habe das einmal am Flughafen Frankfurt beobachtet – ein Reisender mit einem Ausdruck der E-Arrival Card in der Hand, kein Visum. Das Gespräch am Check-in war kurz.
Was das Auswärtige Amt sagt – und was Sie daraus machen
Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts für Indien sind keine Formalität. Sie enthalten regionale Teilreisewarnungen, aktuelle Hinweise zu Sicherheitslagen und die geltenden Einreisebestimmungen. Wer sie ignoriert, reist blind.
Konkret prüfen sollte man vor der Buchung:
- Gibt es Teilreisewarnungen für die geplante Region? (Einige Grenzregionen sind dauerhaft betroffen.)
- Sind die Einreisebestimmungen aktuell? (Ändern sich gelegentlich, gerade bei Visumregeln.)
- Was steht zu Gesundheitsvorschriften? (Gelbfieber, Malaria, Impfempfehlungen.)
- Gibt es Hinweise zu besonderen Feiertagen oder politischen Lagen?
Die Angaben zum Gesundheitsformular tauchen dort regelmäßig auf. Mal ist es verpflichtend, mal nicht, je nach weltweiter Lage. Verlassen Sie sich nicht auf Forenbeiträge von 2019. Die offizielle Quelle ist das AA, nicht der Reiseblog von nebenan.
Einreise Indien für Deutsche: Besonderheiten
Deutsche genießen keine Sonderrechte, aber auch keine Nachteile gegenüber anderen EU-Bürgern. Wichtig sind drei Punkte: Die doppelte Staatsangehörigkeit ist unproblematisch. Ein vorläufiger Reisepass wird an der Grenze meist abgelehnt. Und bei Weiterreise in Nachbarländer (Nepal, Sri Lanka) gelten eigene Regeln – das indische Visum deckt diese nicht ab.
Häufige Fehler, die ich selbst gemacht habe
Beim ersten Indien-Trip 2019 habe ich drei Dinge falsch gemacht. Ich erzähle sie, weil sie typisch sind.
Erstens: Ich habe das Visum zu spät beantragt. Zwei Wochen vor Abflug. Bearbeitungszeit plus Puffer – das war knapp. Es ging gut, aber ich habe drei Nächte schlecht geschlafen.
Zweitens: Ich hatte den Namen meiner ersten Unterkunft nicht parat, als ich die E-Arrival Card ausfüllen wollte. Also habe ich irgendwas eingetragen. Bei der Kontrolle wurde nicht nachgefragt, aber das war Glück, keine Strategie. Heute notiere ich mir Adresse und Buchungsnummer vor dem Ausfüllen.
Drittens: Ich habe die Ausdrucke vergessen. Digital auf dem Handy reicht meistens, aber nicht immer. An einem kleineren Flughafen hat ein Beamter freundlich aber bestimmt auf Papier bestanden. Seitdem: alles doppelt, einmal Papier, einmal digital.
Was ich daraus gelernt habe: Die Einreise nach Indien ist kein Hexenwerk, aber sie verzeiht keine Nachlässigkeit. Wer die drei Bausteine in der richtigen Reihenfolge abarbeitet und Puffer einplant, kommt entspannt durch.
Und der Kollege aus dem Februar? Der hat es geschafft. Mit drei Tagen Vorlauf, einem ausgedruckten Visum und der E-Arrival Card, die er am Mittwochabend vor dem Samstagsflug ausgefüllt hat. Seine erste Nachricht aus Delhi: „Alles easy." Seine zweite, zwei Stunden später: „Nächstes Mal mache ich das früher."
Manchmal ist das die ehrlichste Antwort auf die Frage, was man für die Einreise nach Indien braucht: nicht mehr Papier, sondern mehr Vorlauf. Der Rest ergibt sich am Schalter.