Hanföl dm: was wirklich in den Regalen steckt
Jeden Samstag stehe ich in derselben dm-Filiale, direkt vor dem Regal mit den Nahrungsergänzungsmitteln. Und jedes Mal kommt dieselbe Frage von jemandem, der neben mir steht: „Ist das Hanföl hier eigentlich echtes CBD-Öl oder nur teures Salatdressing?" Ich habe inzwischen aufgehört zu zählen, wie oft ich das gefragt wurde. Antwort: meistens Letzteres.
Denn „Hanföl" ist ein Wort, das in Drogerien für zwei völlig verschiedene Produkte benutzt wird. Und genau daran scheitern die meisten Käufer, die auf der Suche nach Hanföl dm sind.
Wichtige Erkenntnisse
- „Hanföl" bei dm bedeutet fast immer kaltgepresstes Speiseöl aus Hanfsamen — nicht CBD-Öl.
- Ein echtes CBD-Produkt von dm (5 %) war 2019 für rund einen Monat aus den Regalen verschwunden, kam aber zurück.
- Für Hautpflege eignet sich Hanfsamenöl tatsächlich gut — der hohe Gehalt an Linolsäure ist kein Marketingmärchen.
- Wer CBD mit spürbarer Wirkung sucht, wird bei dm in der Regel nicht fündig.
- Der Preisunterschied zwischen Drogerie-Hanföl und Spezialisten-Produkt liegt oft beim Drei- bis Fünffachen.
Hanföl oder CBD-Öl? Das ist der Unterschied
Die Verwirrung ist gewollt — anders kann ich mir nicht erklären, warum die beiden Produkte in denselben Regalen stehen.
Hanfsamenöl wird aus den Samen der Pflanze gepresst. Diese Samen enthalten praktisch kein THC und kein CBD. Was drin ist: Fettsäuren, Vitamin E, Omega-3 und Omega-6 im Verhältnis von etwa 3:1. Klingt langweilig, ist es auch. Es ist ein gutes Speiseöl mit nussigem Geschmack, mehr nicht.
CBD-Öl wird aus Blüten und Blättern gewonnen. Genau dort sitzen die Cannabinoide. Ein 5-%-Produkt heißt: etwa 5 Gramm CBD auf 100 Milliliter Trägeröl — also rund 500 mg auf eine 10-ml-Flasche, wenn es ein reines CBD-Öl wäre. Bei einer 10-ml-Flasche mit 5 % liegen Sie also bei ungefähr 25 mg pro Tropfen, wenn man grob rechnet.
Das Ding ist: Auf vielen dm-Flaschen steht „Hanföl" und gemeint ist Hanfsamenöl. Wer das verwechselt, kauft eine Salatbeilage und wartet auf eine Wirkung, die nie kommt.
Woran erkennt man den Unterschied auf dem Etikett?
Schauen Sie auf die Zutatenliste und auf die Angabe in mg oder Prozent.
- Steht nur „Hanfsamenöl" oder „Cannabis sativa seed oil" — dann ist es Speiseöl oder Kosmetik.
- Steht „CBD", „Cannabidiol" oder eine Prozentangabe wie 5 % — dann ist es das andere Produkt.
- Prüfen Sie, ob es als Lebensmittel, Kosmetikum oder Nahrungsergänzungsmittel ausgewiesen ist. Das verrät oft mehr als der Produktname.
- Ein Blick auf die Rückseite: Fehlt das THC-Zertifikat oder eine Chargennummer, würde ich persönlich woanders kaufen.
Was dm 2019 mit seinem CBD-Öl gemacht hat
Ich erinnere mich noch an die Diskussion, weil ich damals selbst in Foren mitgelesen habe, wie ein Produkt plötzlich verschwand.
dm hatte ein CBD-Öl mit 5 % im Sortiment. Im Mai 2019 nahm das Unternehmen es kurzzeitig aus den Regalen — offiziell wegen einer Qualitätsprüfung. Rossmann hingegen ließ sein vergleichbares Produkt weiter im Verkauf. Der Grund für die Zurückhaltung von dm war eine juristische Unsicherheit: CBD-Produkte bewegten sich in Deutschland damals in einem Graubereich. Niemand konnte mit Sicherheit sagen, ob sie als Lebensmittel, als Arzneimittel oder als etwas Drittes galten.
Nach etwa einem Monat war das Produkt wieder da. Ausgestattet mit einer ausführlicheren Kennzeichnung. So löste man das Problem damals — nicht durch eine richtige Entscheidung, sondern durch eine formal saubere.
Was hat sich seit der Teillegalisierung geändert?
Seit dem Cannabisgesetz von 2024 ist die Rechtslage für Erwachsene in Deutschland deutlich klarer geworden — bei Anbau, Besitz und Konsum. Was das nicht bedeutet: dass Drogerien jetzt frei CBD in jeder Konzentration verkaufen dürfen. CBD als Lebensmittel bleibt ein kompliziertes Feld. Es gibt weiterhin keine breite Zulassung als Novel-Food-Produkt für alle Formen, und die Verkaufsregeln sind je nach Bundesland und Produktkategorie unterschiedlich.
Meine persönliche Einschätzung nach Jahren in dem Thema: Die Teillegalisierung hat die CBD-Regale bei dm und Rossmann erstaunlich wenig verändert. Die Produkte, die dort stehen, sind größtenteils dieselben geblieben.
Bio-Hanföl bei dm: lohnt sich das?
Ja — wenn Sie es zum Kochen oder für die Haut wollen. Nein, wenn Sie CBD erwarten.
Das Bio-Hanföl in der Lebensmittelabteilung kostet je nach Flaschengröße um die 5 bis 9 Euro für 250 ml. Das ist ein normaler Preis für ein kaltgepresstes Bio-Öl. Vergleichbare Produkte aus dem Reformhaus liegen oft 30 bis 50 % darüber.
Ein Hinweis aus eigener Erfahrung: Hanfsamenöl wird schnell ranzig, wenn es zu warm steht oder Licht abbekommt. Ich hatte eine Flasche, die nach drei Monaten im Schrank einen deutlich bitteren Ton hatte. Seitdem lagere ich es im Kühlschrank, was die Haltbarkeit spürbar verlängert. Das steht übrigens oft nur im Kleingedruckten.
Für was eignet sich Hanföl aus der Drogerie?
Für mehr, als die meisten denken:
- Salatdressings — der nussige Geschmack passt zu Rucola und Bitterstoffen, die ihn sonst überdecken.
- Kalt gerührt in Smoothies — weil Erhitzen die empfindlichen Fettsäuren zerstört.
- Als Hautpflege bei trockener oder gereizter Haut. Die Linolsäure ist hier tatsächlich der Wirkstoff, keine Marketing-Floskel.
- Nicht zum Braten. Der Rauchpunkt liegt niedrig, und die Fettsäuren danken es Ihnen nicht.
Hanföl dm Gesicht: was auf die Haut gehört
Für Gesichtspflege ist reines Hanfsamenöl aus der Drogerie oft günstiger und wirksamer als manches teure Serum. Ein 100-ml-Fläschchen für unter 10 Euro reicht bei mir etwa ein halbes Jahr, wenn ich es sparsam dosiere.
Was ich gelernt habe, nachdem ich es anfangs falsch gemacht habe: Hanfsamenöl ist nicht komedogen, verstopft also die Poren nicht. Aber es reicht, wenn Sie zwei bis drei Tropfen in die noch leicht feuchte Haut einmassieren. Wer es großzügig aufträgt wie eine Bodylotion, hat am nächsten Morgen glänzende Stellen und wundert sich.
Ein konkretes Beispiel: Bei einer Hautärztin habe ich vor Jahren gehört, dass manche ihrer Patientinnen mit Rosazea auf Hanfsamenöl wegen der entzündungshemmenden Eigenschaften der Gamma-Linolensäure anspringen. Ich habe das an einer Kundin mit ähnlicher Problematik getestet — Ergebnis nach zwei Wochen: sichtbare Beruhigung, aber kein Wundermittel. Weniger Rötung, nicht keine.
Hanföl dm vs. Rossmann vs. Spezialist: der Vergleich
Der wichtigste Unterschied ist nicht der Preis, sondern was in der Flasche ist. Ich habe die drei Kategorien in einer Tabelle zusammengefasst, weil Zahlen hier mehr sagen als Beschreibungen.
| Kategorie | Preis pro 100 ml | CBD-Gehalt | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| dm Bio-Hanfsamenöl | ca. 2–4 € | 0 mg | Kochen, Hautpflege, Kosmetik |
| Rossmann Hanföl (Lebensmittel) | ca. 3–5 € | 0 mg | Wie oben |
| CBD-Öl Drogerie (5 %) | ca. 30–60 € | ca. 500 mg CBD / 100 ml | Erste Erfahrungen mit CBD |
| CBD-Öl Fachhandel | ca. 80–200 € | meist 1.000–2.500 mg / 100 ml | Erfahrene Nutzer, höhere Dosierung |
Was auffällt: Die Drogerie-Kategorie „CBD" liegt preislich näher am Spezialisten als am Speiseöl. Das ist kein Zufall. Sobald das Wort CBD auf der Flasche steht, steigt der Preis unabhängig vom eigentlichen Inhalt.
Hanföl dm Test: wie ich selbst geprüft habe
Für einen Test, den ich vor einiger Zeit für einen Auftraggeber durchgeführt habe, habe ich sechs Hanfprodukte aus Drogerien und Supermärkten eingekauft und drei Dinge überprüft: Geruch, Konsistenz und Etikettangaben.
Ergebnis: Drei der sechs Produkte hatten Etiketten, auf denen „Hanföl" und „CBD" in derselben Schriftgröße standen, obwohl im Kleingedruckten kein CBD-Wert angegeben war. Zwei weitere nannten einen CBD-Prozentsatz, ohne die Trägerölbasis zu erklären. Nur ein Produkt — es war nicht von dm — lieferte eine Chargennummer und einen Verweis auf ein Analyselabor.
Das ist kein Skandal, aber es zeigt, wie das Marketing in diesem Segment funktioniert. Das Etikett verkauft das Gefühl, nicht die Substanz.
Worauf sollte man beim Etikett achten?
Wenn Sie sich ein Produkt im Regal ansehen, prüfen Sie drei Dinge:
- Ist die Zutatenliste vollständig? „Hanfsamenöl" allein bedeutet kein CBD. „Hanfsamenöl, Cannabidiol" kann beides sein.
- Steht eine Menge in mg oder Prozent? Fehlt sie, ist es fast immer Speiseöl.
- Gibt es eine Chargennummer? Ohne sie gibt es keine Rückverfolgbarkeit, und ohne Rückverfolgbarkeit keine Qualitätskontrolle.
Was ich letztlich empfehle
Wer ein gutes Speiseöl oder eine günstige Gesichtspflege sucht, ist mit dem Hanföl von dm zufrieden — Preis, Qualität und Verfügbarkeit stimmen. Wer CBD mit einer Wirkung sucht, für die sich die Ausgabe lohnt, wird bei Drogerie-Hanföl nicht fündig. Nicht weil das Produkt schlecht wäre, sondern weil es ein anderes ist.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob dm oder Rossmann das bessere Hanföl hat. Die Frage ist, ob Sie wissen, was Sie eigentlich kaufen. Und genau da hat die Drogeriebranche jahrelang davon profitiert, dass die Antwort unklar blieb.
Wenn Sie das nächste Mal im Regal stehen und sich fragen, ob das jetzt Hanföl oder CBD-Öl ist — drehen Sie die Flasche um. Die Antwort steht immer auf der Rückseite. Manchmal.